WIR SOLLTEN UNSERE ERWARTUNGEN AN DEN HUND HINTERFRAGEN.

Unsere Hunde leben in einer Welt, die wir für sie geschaffen haben.

Sie müssen mit Autos, Menschen, Fahrrädern, anderen Hunden, Lärm, engen Wegen und tausend Reizen klarkommen. Sie sollen entspannt bleiben, freundlich sein, funktionieren – und sich natürlich möglichst immer „gut benehmen“.

Aber passt das eigentlich zu diesem einen Hund?

Jeder Hund bringt seine eigene Persönlichkeit mit. Seine Erfahrungen. Seine Grenzen. Sein Nervenkostüm.

Und trotzdem versuchen wir nicht selten, Hunde so lange zu trainieren, bis sie in unsere Vorstellung von einem „braven Hund“ passen.

Dabei kann genau das zum Problem werden.

Ein Hund, der ständig das Gefühl hat, etwas falsch zu machen, steht unter Druck. Und dauerhafter Stress bleibt nicht einfach folgenlos. Er kann sich auf Schlaf, Lernen, Konzentration, Motivation und auch auf das Verhalten gegenüber seiner Umwelt auswirken.

Manchmal sehen wir dann einen Hund, der ständig aufgeregt ist, schnell reagiert oder scheinbar „nicht zuhört“.

Und fragen uns:
Was stimmt mit meinem Hund nicht?

Vielleicht sollten wir die Frage manchmal anders stellen:

Was stimmt an unseren Erwartungen nicht?

Training sollte nicht dazu dienen, die Persönlichkeit eines Hundes wegzutrainieren.

Es sollte ihm helfen, mit seinem Leben besser zurechtzukommen.

Und dazu gehört auch, anzuerkennen, dass nicht jeder Hund alles können muss.

Nicht jeder Hund muss jeden Menschen mögen.
Nicht jeder Hund muss mit jedem Hund spielen.
Nicht jeder Hund muss überall mit hin.
Und nicht jeder Hund muss in jede Lebenssituation passen.

Manchmal bedeutet gutes Hundetraining eben nicht, noch mehr vom Hund zu verlangen.

Sondern weniger.

Mehr Verständnis.
Mehr Rücksicht.
Mehr echte Wahlmöglichkeiten.

Denn unser Hund hat keinen Koffer vor die Tür gestellt und darum gebeten, in unserer Welt zu leben.